Sonntag, 23. Februar 2014

Varan(L)as(s)i

Wo sollen wir bei dieser Stadt nur anfangen...???
Varansi: hier treffen Menschen aus der ganzen Welt auf ein irrefuehrendes Labyrinth an Gassen, den heiligen Fluss Ganges, den wahrscheinlich besten Lassi der Welt, auf zwielichtige Bootsfuehrer, auf oeffentliche Leichenverbrennungen und ein Meer an Handmasseuren (ja Masseure fuer die Haende :-)).

Aber der Reihe nach. Bodhgaya war ja, wie ihr bestimmt gelesen habt, ein sehr dankbares Reiseziel. 240 km weiter im Landesinneren sieht es entgegen aller Prognosen nicht anders aus. Denn Varanasi ist wohl neben dem Taj Mahal das beliebteste Ziel jedes Indientouristen. Dementsprechend gut ist auch das Angebot an Gaesthaeusern, Hotels und Restaurants. Trotz der Riesenauswahl an Hotels greift man einfach manchmal ins Klo. Nach einer Nacht verlassen wir unser kleines, schimmliges Zimmer vom ersten Abend und checken im Sunrise Guesthouse mit Gangesblick am Meer Ghat ein. "A home away from home" - steht als Schriftzug an der Aussenwand des Hotels. Und tatsaechlich: Unser Zimmer ist gemuetlich, die Dusche ist warm und die Besitzer sind super freundlich. Was will das Backpackerherz mehr?! Mit einem Rueckzugsort im Ruecken konnte die Erkundung Varanasis starten...

Die Altstadt ist wie gesagt ein unglaubliches Labyrinth an Gassen, in denen sich Shops, kleine Tempel und Familienhaeuser aneinanderreihen. (Zwischennotiz: Nach 3 Tagen haben wir uns allmaehlich zurechtgefunden). Wenn wir uns verlaufen haben, sind wir im Zweifel immer zum Ganges spaziert, um den Ghats bis zu unserem Hotel zu folgen. Apropos Ghats: Das sind Steintreppen, die in den Ganges fuehren. Hier waschen sich taeglich dutzende Inder im heiligen Wasser. Das ist fuer den Hindu in etwa so heilig, wie fuer den Moslem nach Mekka zu reisen. Der Fluss wird wenige Meter neben den Badestellen aber auch fuer Waesche waschen, abendliche Cricket-Spiele oder Zeremonien genutzt und ist auch immer wieder Ausflugsziel ganzer Hochzeitsgesellschaften. Uns wundert es dann auch gar nicht, dass das Gangesufer uebel dreckig ist: Eine Menge Plastikmuell von den Menschen, unzaehlige Kuh-, Ziegen- und Hundehaufen. Damit die Ghats nichts im Dreck versinken, spritzen die Inder die Steintreppen alle paar Tage mit grossen Schlaeuchen ab und versenken alles im Ganges. Da badet man dann noch lieber drin, oder :-).

Auf dem Weg zum Ghat...Der Braeutigam sieht so richtig gluecklich aus

Freizeittreff Ghats

Neben den "Freizeitghats" finden sich in Varanasi auch Verbrennungsghats wieder, die fuer die Reinwaschung und Verbrennung der Leichen benutzt werden. Allerdings werden u.a. tote Kinder, Schwangere, Sadhus und Menschen, die durch einen Schlangenbiss zu Tode kamen, nicht verbrannt. Diese werden dem Fluss uebergeben, quasi im Ganges versenkt. In einigen Faellen verschmelzen die Ghats fuer Freizeit, Arbeit und Beerdigungen. Wir haben Menschen gesehen, die zwei bis drei Meter neben den Leichen zum Baden ins Wasser gestiegen sind. Die Verbrennungsghats sollte zwar kein Varanasi-Tourist verpassen, aber schoen ist der Anblick nicht gerade. Zunaechst passiert man ein Spalier aus gestapeltem Holz, bevor der Ganges erneut vor einem auftaucht. Natuerlich haben auch wir uns die Verbrennungen angeschaut, bei denen die Familien die Leiche des Angehoerigen erst ins Wasser taucht, um sie danach auf einen Scheiterhaufen zu legen. Am Manikarnika Ghat (Hauptverbrennungsghat) werden taeglich 120-150 Leichen verbrannt, von denen jede Einzelne bis zu drei Stunden braucht, um vollstaendig zu verbrennen. Das heisst im Klartext: 24 Stunden Feuer an 365 Tagen im Jahr!!! Die Angehoerigen koennen in der Regel zwischen verschiedenen Holzarten waehlen, wobei Sandelholz am Teuersten sein soll.

Hier geht der Nachschub nie aus...
Marnikanika Ghat aus der Ferne

Geld wird an den Verbrennungsghats natuerlich auch gemacht. Eine unschoene Erfahrung haben da auch unsere Varanasi-Bekannten Matt und Ruth. Matt ist professioneller Fotograf und hat natuerlich alle Warnhinweise ignoriert, bei den Verbrennungen keine Fotos zu schiessen. Nach einem kurzen Handgemenge wurde er von einem der "Unberuehrbaren" Leichenverbrenner in die Gassen getrieben. Ihm wurde mehr als deutlich zu verstehen gegeben, dass er besser einen dicken Batzen Geld abdrueckt oder er wird seines Lebens in Varansi nicht mehr gluecklich. Die Drohungen waren so nachdruecklich und ernstzunehmen, dass er 5000 Rupees bezahlt hat. Das war natuerlich ein Schock, aber nach ein paar Drinks konnte er wieder lachen.

Aber das nur am Rande. Wir waren artig und haben die Fotos nur aus der Ferne waehrend einer Bootstour gemacht. Zum Sonnenauf und -untergang sehen die Ghats und das umliegende Varanasi am schoensten aus. Und so haben auch wir zweimal einen Ruderer engagiert, der uns ueber den Ganges schipperte. Bei dem Anblick hat sich auch das fruehe Aufstehen gelohnt.

Gegenueberliegendes Gangesufer
Ruth & Matt hatten och ihren Spass

Waehrend der ersten Bootstour am Abend
6 Uhr am Main Ghat...hier finden auch immer die Zeremonien statt

Varanasi im Morgengrauen

Ein weiteres Highlight war mal wieder das Essen. Das Streetfood war hervorragend und das bisher beste Dessert der Reise hat uns taeglich den Tag versuesst. Ein leichter Mix aus Safran, Pistazie, Mandel....
Den ersten Preis gewinnt in Varanasi jedoch eindeutig der Blue Lassi Shop, der mit seinen unglaublich sahnigen Lassis und frischen Fruechten taeglich unzaehlige Touris und Inder anzieht.

Bester Lassi der Welt, ganz sicher!
Auf dem Weg zum Burning Ghat
Bis zu unserem Abschlusstag waren wir jeden Tag dort! Ein bizarrer Nebeneffekt waren allerdings die Leichen, die am Lassi Shop vorbeigetragen wurden. Vorgestern haben wir es in unseren 20 Minuten dort auf ganze sechs Leichentransporte geschafft! Nach mittlerweile fuenf Tagen reicht uns das dann aber aus und wir machen uns auf den Weg in ein neues Abenteuer. Der Berg ruft!

Goodbye Varanasi, hello Darjeeling!


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