Sonntag, 23. Februar 2014

Varan(L)as(s)i

Wo sollen wir bei dieser Stadt nur anfangen...???
Varansi: hier treffen Menschen aus der ganzen Welt auf ein irrefuehrendes Labyrinth an Gassen, den heiligen Fluss Ganges, den wahrscheinlich besten Lassi der Welt, auf zwielichtige Bootsfuehrer, auf oeffentliche Leichenverbrennungen und ein Meer an Handmasseuren (ja Masseure fuer die Haende :-)).

Aber der Reihe nach. Bodhgaya war ja, wie ihr bestimmt gelesen habt, ein sehr dankbares Reiseziel. 240 km weiter im Landesinneren sieht es entgegen aller Prognosen nicht anders aus. Denn Varanasi ist wohl neben dem Taj Mahal das beliebteste Ziel jedes Indientouristen. Dementsprechend gut ist auch das Angebot an Gaesthaeusern, Hotels und Restaurants. Trotz der Riesenauswahl an Hotels greift man einfach manchmal ins Klo. Nach einer Nacht verlassen wir unser kleines, schimmliges Zimmer vom ersten Abend und checken im Sunrise Guesthouse mit Gangesblick am Meer Ghat ein. "A home away from home" - steht als Schriftzug an der Aussenwand des Hotels. Und tatsaechlich: Unser Zimmer ist gemuetlich, die Dusche ist warm und die Besitzer sind super freundlich. Was will das Backpackerherz mehr?! Mit einem Rueckzugsort im Ruecken konnte die Erkundung Varanasis starten...

Die Altstadt ist wie gesagt ein unglaubliches Labyrinth an Gassen, in denen sich Shops, kleine Tempel und Familienhaeuser aneinanderreihen. (Zwischennotiz: Nach 3 Tagen haben wir uns allmaehlich zurechtgefunden). Wenn wir uns verlaufen haben, sind wir im Zweifel immer zum Ganges spaziert, um den Ghats bis zu unserem Hotel zu folgen. Apropos Ghats: Das sind Steintreppen, die in den Ganges fuehren. Hier waschen sich taeglich dutzende Inder im heiligen Wasser. Das ist fuer den Hindu in etwa so heilig, wie fuer den Moslem nach Mekka zu reisen. Der Fluss wird wenige Meter neben den Badestellen aber auch fuer Waesche waschen, abendliche Cricket-Spiele oder Zeremonien genutzt und ist auch immer wieder Ausflugsziel ganzer Hochzeitsgesellschaften. Uns wundert es dann auch gar nicht, dass das Gangesufer uebel dreckig ist: Eine Menge Plastikmuell von den Menschen, unzaehlige Kuh-, Ziegen- und Hundehaufen. Damit die Ghats nichts im Dreck versinken, spritzen die Inder die Steintreppen alle paar Tage mit grossen Schlaeuchen ab und versenken alles im Ganges. Da badet man dann noch lieber drin, oder :-).

Auf dem Weg zum Ghat...Der Braeutigam sieht so richtig gluecklich aus

Freizeittreff Ghats

Neben den "Freizeitghats" finden sich in Varanasi auch Verbrennungsghats wieder, die fuer die Reinwaschung und Verbrennung der Leichen benutzt werden. Allerdings werden u.a. tote Kinder, Schwangere, Sadhus und Menschen, die durch einen Schlangenbiss zu Tode kamen, nicht verbrannt. Diese werden dem Fluss uebergeben, quasi im Ganges versenkt. In einigen Faellen verschmelzen die Ghats fuer Freizeit, Arbeit und Beerdigungen. Wir haben Menschen gesehen, die zwei bis drei Meter neben den Leichen zum Baden ins Wasser gestiegen sind. Die Verbrennungsghats sollte zwar kein Varanasi-Tourist verpassen, aber schoen ist der Anblick nicht gerade. Zunaechst passiert man ein Spalier aus gestapeltem Holz, bevor der Ganges erneut vor einem auftaucht. Natuerlich haben auch wir uns die Verbrennungen angeschaut, bei denen die Familien die Leiche des Angehoerigen erst ins Wasser taucht, um sie danach auf einen Scheiterhaufen zu legen. Am Manikarnika Ghat (Hauptverbrennungsghat) werden taeglich 120-150 Leichen verbrannt, von denen jede Einzelne bis zu drei Stunden braucht, um vollstaendig zu verbrennen. Das heisst im Klartext: 24 Stunden Feuer an 365 Tagen im Jahr!!! Die Angehoerigen koennen in der Regel zwischen verschiedenen Holzarten waehlen, wobei Sandelholz am Teuersten sein soll.

Hier geht der Nachschub nie aus...
Marnikanika Ghat aus der Ferne

Geld wird an den Verbrennungsghats natuerlich auch gemacht. Eine unschoene Erfahrung haben da auch unsere Varanasi-Bekannten Matt und Ruth. Matt ist professioneller Fotograf und hat natuerlich alle Warnhinweise ignoriert, bei den Verbrennungen keine Fotos zu schiessen. Nach einem kurzen Handgemenge wurde er von einem der "Unberuehrbaren" Leichenverbrenner in die Gassen getrieben. Ihm wurde mehr als deutlich zu verstehen gegeben, dass er besser einen dicken Batzen Geld abdrueckt oder er wird seines Lebens in Varansi nicht mehr gluecklich. Die Drohungen waren so nachdruecklich und ernstzunehmen, dass er 5000 Rupees bezahlt hat. Das war natuerlich ein Schock, aber nach ein paar Drinks konnte er wieder lachen.

Aber das nur am Rande. Wir waren artig und haben die Fotos nur aus der Ferne waehrend einer Bootstour gemacht. Zum Sonnenauf und -untergang sehen die Ghats und das umliegende Varanasi am schoensten aus. Und so haben auch wir zweimal einen Ruderer engagiert, der uns ueber den Ganges schipperte. Bei dem Anblick hat sich auch das fruehe Aufstehen gelohnt.

Gegenueberliegendes Gangesufer
Ruth & Matt hatten och ihren Spass

Waehrend der ersten Bootstour am Abend
6 Uhr am Main Ghat...hier finden auch immer die Zeremonien statt

Varanasi im Morgengrauen

Ein weiteres Highlight war mal wieder das Essen. Das Streetfood war hervorragend und das bisher beste Dessert der Reise hat uns taeglich den Tag versuesst. Ein leichter Mix aus Safran, Pistazie, Mandel....
Den ersten Preis gewinnt in Varanasi jedoch eindeutig der Blue Lassi Shop, der mit seinen unglaublich sahnigen Lassis und frischen Fruechten taeglich unzaehlige Touris und Inder anzieht.

Bester Lassi der Welt, ganz sicher!
Auf dem Weg zum Burning Ghat
Bis zu unserem Abschlusstag waren wir jeden Tag dort! Ein bizarrer Nebeneffekt waren allerdings die Leichen, die am Lassi Shop vorbeigetragen wurden. Vorgestern haben wir es in unseren 20 Minuten dort auf ganze sechs Leichentransporte geschafft! Nach mittlerweile fuenf Tagen reicht uns das dann aber aus und wir machen uns auf den Weg in ein neues Abenteuer. Der Berg ruft!

Goodbye Varanasi, hello Darjeeling!


Samstag, 15. Februar 2014

Buddhismus fuer Anfaenger: Bodhgaya


Um Kolkata mit dem Nachtzug zu entrinnen, mussten wir unser Sitzfleisch noch ganz schoen auf die Probe stellen. Statt wie geplant um 22 Uhr fuhren wir dann aus unersichtlichen Gruenden erst um 1 Uhr los!
Die Warterei sollte sich allerdings lohnen. Nachdem wir uns am Bahnhof in Gaya mit den ueblichen Verdaechtigen (Rikshaw-Fahrern) rumgeaergert haben, stiegen wir kurze Zeit spaeter erschoepft, aber gluecklich im buddhistischen Walfahrtsort Bodhgaya aus. Eines springt uns bei der Ankunft sofort ins Auge: Orangefarbene und dunkelrote Roben soweit das Auge reicht....Kurz um, ueberall Moenche :-)
Bodhgaya, so sagen die Buddhisten, ist fuer sie der "Ort der Erleuchtung". Im zentralgelegenen Mahabodhi-Tempel steht naemlich das Relikt der Buddhisten schlechthin: Der Bodhi-Baum. Unter diesem Baum fand Siddhartha (Buddha) um 530 v. Chr. die Erleuchtung. Dazu an anderer Stelle aber mehr...
Die Moenche aus Bodhgaya kommen aus dem gesamten asiatischen Raum. Ob Tibet, Nepal, Buthan, Burma, Thailand, China, es sind fast alle asiatischen Laender mit einem Tempel inklusive angrenzendem Kloster vertreten. Und so fruehstuecken wir bei der Ankunft mal nicht die typischen Dosas, Pongals und Puris, sondern tibetanische Tingmo's (gedampftes Brot) mit Erdnussbutter Dip im Tibet Om Cafe. Das war sooo lecker :-). 

Auch der Reporterschlumpf ist vernarrt in Momos, Tingmo und andere tibetanische Spezialitaeten
Mhh... wir konnten nicht genug vom Tibet Om Cafe bekommen...
Zum Mittag gibts dann auch mal ganz exotisch buthanesische Kueche in einem der unzaehligen Zeltrestaurants. Interessant, lecker und scharf bis unglaublich scharf. Wer hat nochmal behauptet das Essen in Sri Lanka sei das schaerfste Asiens?! Seht selbst :-)...

Hot Hot Hot!

Unter Strom...:-)
  
Schaerfe ueberlebt!
 
Nachdem wir uns den ersten Tag in Mohamed's Guesthouse einquattiert haben, entscheiden wir uns in einem der zahlreichen Moenchskloster unterzukommen. Wir haben Glueck. Nach zwei Absagen, weil es in diesem Monat in Bodhgaya einfach immer noch von Moenchen wimmelt, bekommen wir dann doch noch einen Platz im tibetanischen Karma Tempel. Im Gegensatz zu Mohamed's Guesthouse, dass zwischen Lehm- und Wellblechhuetten der doch sehr armen, aber freundlichen Dorfgemeinde stand, befindet sich unser jetziges zu Hause etwas Abseits. Hinter einem riesigen Tempel, der uns mit seiner goldenen Buddhastatue und der vielen bunten Deko sofort fuer sich gewonnen hat, stehen die Klosterwohnhaeuser. Es ist nichts besonderes, das Badezimmer wird geteilt und es hat ein wenig Jugendherbergsscham, aber es ist ruhig und alle sind sehr hoeflich zueinander.

Home sweet home
Karma Tempel von Innen
Ueberzeugt vom Gesamtpaket Klosterwohnanlage!

Die Tage in Bodhgaya vertreiben wir uns mit Tempelbesuchen, Essen, Tempelbesuchen, Essen und nochmals Tempelbesuchen. Vor und in den Tempelanlagen erwartet uns dann aber doch Indien pur: Viele Bettler, mit den schlimmsten Berhinderungen, die man sich so vorstellen kann. Nach den ganzen Wochen in Indien sind wir allerdings laengst nicht mehr so geschockt wie zum Anfang. Mitleid hat man trotzdem. So viel Kleingeld koennen wir als Touries aber nicht in der Tasche haben, um jeden Beduerftigen gluecklich zu machen.
Die Tempel an sich gefallen uns alle ganz gut. Im Vergleich zu den Hindu-Tempeln sind die Buddhisten-Tempel weniger bunt, weniger laut: im Prinzip weniger aufdringlich.

Der Giant Budda direkt um die Ecke
Auch aus diesem Grund sind wir mindestens einmal taeglich im Mahabodhi-Tempel. 

Blick vom Eingang des Tempel-Areals
Moenche waehrend dem Gebet
Beten zum Bodhi Tree
Bestaunt den heiligen Baum...
Und aus einem weiteren Grund....Wir wollen, brauchen, muessen uuunbedingt ein Blatt vom Bodhi-Baum mitnehmen. Problem eins: Der Baum ist an seiner niedrigsten Stelle 2,50m hoch. Problem zwei: Jeder Buddhist wuerde uns aus dem Tempel jagen, wenn wir uns ein Blatt abreissen wuerden. Woran wir aber natuerlich nicht gedacht haben! Das haetten wir mit unserem Gewissen dann doch nicht vereinbaren koennen. Problem drei: Gemaess dem seltenen Fall, dass wirklich mal ein Blatt runterfaellt, kann man sich sicher sein, dass sich nicht nur ein Buddhist draufstuerzt. Und irgendwie haben die Moenche das Blatt ja auch mehr verdient als wir.

ABER: Am vierten Tag in Bodhgaya hatten wir doppeltes Glueck. Morgenstund hat naemlich Gold im Mund! JA, wir haben uns frueh um 6 Uhr aus dem Bett gequaelt! Und so fallen waehrend des Morgengebets im Abstand von 20 Minuten fast vor unserer Nase unbemerkt zwei Blaetter zu Boden (jetzt kriegt die Muddi auch eins ab... :-)). Vielleicht liegts daran, dass Yasmina kurz vorher von einem Moench geherzt wurde?! :-). War jedenfalls ein schoenes Erlebnis.

Morgens mit Musik und Gebet
Huch, da kam er und wollte ein Foto! Kurzer Schreck...daher etwas grimmig der Blick!
Yes.. unser Blatt vom Bhodi-Baum
Und ein zweites Mal...
Die Tage in Bodhgaya vergingen wie im Flug und haben uns wirklich gut getan. Neu eingekleidet - der obligatorische tibetanische Schal, der uns jetzt ueber die immer kaelter werdenden Abende bringen soll, war natuerlich ein Muss. Und jaaa, er ist herrlich warm und unsere Vorfreude auf Nepal steigt mit diesem Accessoire  (Gregor wird hier ausgenommen! Is ja rein praktischer Natur so nen Schal! :-) ) nur noch mehr. 

Jetzt setzen wir uns erstmal in den Bus nach Varanasi. Wiederum eine der heiligsten Staedte Indiens, diesmal jedoch fuer die Hindus. Was uns da wohl erwarten wird...?

Mittwoch, 12. Februar 2014

Die Strassen von Kolkata

Gegen 9:00 Uhr morgens steigen wir aus unserem Zug und verlieren uns direkt in den Menschenmengen des Howrah-Bahnhofs. Wir muessen erstmal von Gleis 17 zum Hauptausgang! Waehrend des 5-minuetigen Wegs erspaehen wir zwei weisse Touristen. Kurze Zeit spaeter sind wir zu dritt (mit Hendrik aus Tschechien) und versuchen uns mit den oeffentlichen Verkehrsmittel zur Sudder Street, dem Backpackerviertel Kolkatas, durchzuschlagen. Erste Huerde: Wir brauchen eine Toilette!!! Erste Herausforderung: Auch die Toiletten der Frauen sind ohne Tuer! (Zum Glueck war niemand weiter anwesend). Zweite Huerde: Wo finden wir den Bus und wann kommen wir hinein? Zweite Herausforderung: In Kolkata wird sich tatsaechlich ordentlich angestellt. Unbegreiflich fuer uns, denn die Schlange ist schon so lang, dass mindestens zwei Busse gefuellt werden koennen! Wir ersparen uns die Warterei und anstehende Schubserei und suchen eine andere Moeglichkeit. Wir finden den Uebergang zur Faehre. Fuer 5 Rupien kommen wir nach Kolkata Stadt. Natuerlich war die Faehre auch ueberfuellt, doch das Gedraenge waehrend der Fahrt hielt sich in Grenzen.

Eine Bootsfahrt, die ist lustig... Eine Bootsfahrt, die ist schoen.

Abfahrt

Am anderen Ufer angekommen, gelangen wir nach 10 Minuten Fussweg zu einer Metro Station, fahren bis zur Park Street (5 Rupien) und wenige Minuten spaeter finden wir uns in der Sudder Street wieder. To easy! Hendrik sehen wir spaeter wieder. Fuer heisst es nun nach einem Hostel Ausschau zu halten! Es wimmelt hier nur so von Hotels. Billig und dreckig reiht sich an teuer und dreckig. Das einzige scheinbar saubere Hotel ist leider schon voll - Hotel Galaxy! Wir versuchen es erstmal mit einer etwas teureren Absteige (8 EUR das Zimmer), denn hier gibts mit Sicherheit eine heisse Dusche! Heisse Dusche war auch super, doch wir sind nach der ersten Nacht umgezogen!

Jetzt mal zur Stadt...

Kolkata ist gross, voll, laut, smoggi, dreckig und ueberall wird gebettelt. Leider muessen wir sagen, dass Kolkata bisher die Stadt ist, die mit schwer zuzuordnenden, auesserst unangenehmen Geruechen punktet...leider! Einige Gerueche haben wir immer noch in der Nase und wir sind inzwischen schon abgereist!!! 

Wo sind wir nochmal? Muelleimer wie diese sind in Kolkata leider selten...

Stuhltanz

Kolkata hat zudem nicht unbedingt viele sehenswerte Sehenswuerdigkeiten zu bieten (jedenfalls fuer uns nicht). Gesundheitlich angeschlagen (Erkaeltung), haben wir uns fuer zwei entschieden:

Das Victoria Memorial wurde zu Ehren der verstorbenen Queen Victoria gebaut. Ganz in weiss und komplett aus Marmor macht das wirklich was her. Wir haben uns aber die Menschenmassen innerhalb des Gebaeudes erspart und uns nur gemuetlich im Park rund ums Gebaeude aufgehalten. Das war entspannter und zudem wesentlich guenstiger!  :-)

Victoria Memorial

Fast wie das Taj, aber nur fast...:-)
Bilderraetsel: Wo ist der Fehler???

Auf dem Weg zum zweiten Stop auf unserer Sightseeing Tour schlenderten wir noch am christlichen Zentralfriedhof Kolkatas vorbei, der fuer viele Touristen eine Art Ruheort darstellt.

Ueberbleibsel der Kolonialzeit unter britischer Flagge

So ruhig wie nirgends in dieser Stadt

Als naechstes ging es zum Mutter Teresa Haus. Es liegt in einem wirklich armen Stadtviertel und zu unserer Ueberraschung ist es kein eingestaubtes Museum. Immer noch leben dort Ordensschwestern und helfen den Beduerftigen. Wir kamen puenktlich zur Messe und so konnten wir uns, waehrend wir dem Gesang der Schwestern lauschten, in Ruhe die Geschichte Mutter Teresas zu Gemuete fuehrem und ihre hinterbliebenen Gegenstaende anschauen. Auch ihr Zimmer, das sie von 1970 bis zu ihrem Tod 1997 bewohnte, konnten wir besichtigen. Ihr Grab befindet sich ebenfalls in dem sogenannten Mutterhaus und kann besichtigt werden. Wir haben uns dort eine ganze Zeit lang aufgehalten. Die spirituelle Stimmung und Aura hat uns wirklich nachhaltig beeindruckt.

Seit ihrem Tod bleibt die Anzeige auf "IN"
Nach der Messe

Mutter Teresas Grab

 Kurz vor Sonnenuntergang ging es in unser Viertel zurueck. Zu Fuss wanderten wir quer durch die verwinkelten Strassen Kolkatas und verzichteten diesmal auf die U-Bahn. Das Leben auf den Strassen ist wirklich heftig: Egal ob Bettler, Behinderte, Entstellte oder Drogensuechtige (ja, man kann beim Konsum quasi zuschauen!), hier wird man als Tourist definitiv nicht geschont und es entgeht einem wirklich nichts! Es ist, als waere man in einer anderen Welt. Schockierend ist auch die Art und Weise, wie sich die wohlhabenderen Inder hofieren lassen. Ein extremes Beispiel ist da die "Menschen-Rikshaw". Meistens sind es alte und gebrechliche Herren, die wie ein Zugpferd vor den Karren gespannt werden. Unglaublich:

Immer in Eile...

Der Staub, der die Strassen umgibt, liegt dir schon nach kurzem schwer auf der Lunge und wir fragen uns: "Wie machen das die Leute, die hier auf der Strasse leben...?" Der Anblick von Armut und Dreck ist in Indien nicht auszuschliessen, doch so geballt haetten wir es uns in Kolkata nicht vorgestellt. Kinder ohne Kleidung am Leib, Haare wild verknotet und der Koerper schwarz vom Dreck. Kuehe, die Papierreste und Plastik kauen und Hunde, die sich mit Kuhmist zufriedengeben. Dazwischen Schweine, Katzen, Huehner und Ziegen, die sich mit den Menschen, Kuehen und Ratten die Strasse teilen. 

Der Weg zuruck ins Backpackerviertel (das nicht wesentlich anders aussieht) war eindrucksvoll und traurig zugleich. So kann man Kolkata ziemlich genau beschreiben. Eine eindrucksvolle Stadt, die mit ihrem U-Bahn und Strassenbahnsystem Dehli um nichts nachsteht. Der englische Einfluss ist in der aeltesten Stadt Indiens nicht zu verkennen und springt einem ueberall ins Auge. Doch auf der anderen Seite ist auch diese indische Grossstadt ein Sammelbecken fuer die Armen, die von so wenig leben, dass wir es uns nicht vorstellen koennen. Ihr merkt schon...die Stadt hinterlaesst einen faden Beigeschmack und sollte jeden Besucher nachdenklich stimmen. Und so scheint es unter all den Menschen diejenigen zu geben, die wie wir mehr oder weniger im Elfenbeinturm aufwachsen und dann gibt es Jene, die als Strassenkinder in den Strassen Kolkatas gross werden. Das Los der Geburt entscheidet. So einfach ist das leider manchmal. 

Trotzdem gluecklich?

Auf dem Weg in die Sudder Street

Jetzt wirds eng...

Seitenausgang unseres Hotels

Chai Wallah unseres Vertrauen: Einen Chai to go, bitte

Nach zwei Naechten verlassen wir die Grossstadt mit einem Zugticket nach Bodhgaya, dem Buddhisten-Walfahrtsort schlechthin. Die Stadt liegt in einem der aermsten Bundestaedte Indiens, Bihar. Mal sehen, was uns dort erwartet...

Freitag, 7. Februar 2014

Chennai-Express rollt Richtung Norden

Zurueck in Indien! Und wir muessen sagen, es fuehlt sich gut an. Am Abend des 30. Januars landen wir in Chennai und werden gleich wieder auf die Probe gestellt. Chennai: Das sind wieder mehr als 6 Millionen Einwohner in einer Stadt ohne Zentrum und besondere Attraktionen. Unsere ersten zwei Indienmonate machen sich bezahlt, denn wir sind die Ruhe selbst, lassen uns von keinem Rikshaw-Fahrer aus dem Konzept bringen und koennen endlich wieder das indische Essen geniessen. Halt: Das mit den Rikshaw-Fahrern war gelogen. Die Jungs sind hier wirklich eine Spezies fuer sich: Knallhart, auf Krawall gebuerstet und im Zweifel geht ihnen die englische Sprache aus. Naja, niemand ist perfekt, ne?!

Hotel Comfort, ja richtig...

Chennais groesste Moschee direkt vor unserer "Haustuer"

Aus dem Tuk Tuk heraus....

Nach zwei Tagen reicht es uns mit Chennai und wir nehmen den Zug nach Bubhaneswar, der Hauptstadt des untouristischen Bundesstaates Orissa. Unser Zug startet um 8:30 Uhr morgens. Um 5 Uhr morgens am naechsten Tag erreichen wir unser Ziel. Die Nacht war, hmm sagen wir mal, semi-optimal: Die Sleeperklasse war wieder gnadenlos ueberbucht, sodass wir auf unserer Dreierbank entspannt zu Fuenft gesessen haben. Viel Schlaf war da also nicht drin. Auch Bubhaneswar ueberzeugt uns nicht: Eine der dreckigsten Staedte, die wir bisher gesehen haben. Bilder ersparen wir Euch an dieser Stelle.

Hare Krishna, Hare, Hare, Hare....

Ereignisreicher war da schon unser Aufenthalt in einer der heiligsten Staedte Indiens - Puri. Der beschauliche Kuestenort is "the place to be" fuer Hindus, insbesondere der Hare Krishna. Ihr kennt die Moenche in ihren orangefarbenen Gewaendern auf dem Alexanderplatz, die pausenlos ihre Hare Krishna Mantras zum Besten geben, oder? Puri ist aber auch fuer uns ein recht entspannter Ort. Den Strand sollte man jedoch nicht allzu ausfuehrlich begehen, denn auch dieser wird als oeffentliche Toilette missbraucht und die Gerueche die einem dort entgegenkommen wollen wir gar nicht erst versuchen zu beschreiben!

Damit auch ja nichts passiert: Bay Watch!!!

Hat da jemand Angst vor Kamelen?

Einen der sogenannten Devotis haben wir dann auch persoenlich kennengelernt. Nicholas ist 33 Jahre alt und seit etwa 7 Jahren Hare Krishna. Nach seiner Karriere als professioneller Hanfzuechter in Californien und anderen "kleinen" Zwischenfaellen in seinem Leben, befolgt er nun die Lehren Krishnas. Mit einer Sekte hat er fuer uns wenig zu tun. Ein lustiger, wenngleich auch ausgeflippter Kerl, der uns nicht nur bei einem Abendessen den Sinn des Lebens erklaeren wollte. Gemeinsam mit Nick haben wir dann auch noch den Sonnentempel in Konark besucht. Unser Guide erklaerte uns den Tempel mehr als ausfuehrlich: Da die Ornamente des Tempels hauptsaechlich aus Kamasutra-Stellungen bestanden, begrenzte sich das Vokabular des Guides auf Woerter wie "licking; sticking; sucking; giving pleasure from the front and behind; groupsex; masturbating; sixtynine" und und und. Was haben wir gelacht :-).

Sonnenuntergang am Sonnentempel
Wir und Hare Krishna Nick
1A Guide

Der Tempel ist Abbild des gesamten Kamasutra...

Fuer uns war das eine der besten Touren ueberhaupt... Der Weg zurueck war dann auch noch eine Nummer fuer sich. Da an diesem Tag ein Festival stattfand, waren die Strassen voll mit Pilgern, die Richtung Tempel und wieder zurueck stroemten. Fuer unsere Riskhaw war angeblich kein Durchkommen mehr, denn die Polizei liess sich trotz heisser Diskussionen nicht darauf ein, uns durchzulassen. Unser Rikshaw-Fahrer war leider auch nicht das schaerfste Messer im Messerblock, sodass unser Rueckweg statt 40 Minuten ganze 3 Stunden dauerte, denn wir mussten Umwege durch Doerfer nehmen (Asphalt war die Ausnahme) und die Dunkelheit wir dann auch noch angekommen...

Einen weiteren Tagestrip haben wir an den Chilikasee gemacht, die groesste Lagune Asiens. Der Staat Orissa bietet Touristen sehr guenstige Tagestouren an, weshalb wir auch bei diesem Ausflug auf einen Guide zurueckgreifen konnten. Der hatte eine Vorliebe fuer die Sportmarke "Nike". Das Logo auf seiner Guertelschnalle war noch als Nike zu erkennen. Aus dem Nike-N wurde ein M. "Mike" :-). Gemeinsam mit "Mike" und drei indischen Urlaubspaaerchen bestaunten wir waehrend unserer Bootsfahrt Suesswasserdelfine.

Duerfen wir vorstellen: "Mike"...:-)

Leider hielt der See ausser den Delfinen keine weiteren Highlights bereit. Das Boot hat noch am Klassik-Beach angelegt (der Strand, an dem der See ins Meer uebergeht). Ausser einem 4 km langen kargen Sandstrand war da so rein gar nichts. Der Trip war alles in allem dennoch ganz witzig, nicht zuletzt wegen Mike :-).

...Chilika See...

Heute Nacht geht die Reise weiter. Von Bubhaneswar gehts mit dem Overnight-Express nach Kolkata. Vorher treffen wir allerdings noch Alice und James. Es macht tatsaechlich immer Spass sich ueber die teilweise wirklich verwirrenden Gepflogenheiten der Inder auszutauschen.
In diesem Sinne: bleibt am Ball und schaut weiterhin auf unseren Blog.

Namaste werte Freunde